Viele Jahre stand das Doppelhaus mit der Nummer 71/73 in der Luisenstraße leer. Die beiden Brüder Max und Michel Baumeister haben das Gebäude jetzt wiederbelebt. Kein einfaches Projekt.
Alles inklusive – das ist das erklärte Ziel bei der aufwendigen Sanierung der Immobilie in der Luisenstraße. Alles, das heißt die gesamte Einrichtung, Küche mit kompletter Ausstattung, Möbel, Waschmaschine, Spülmaschine, Internetanschluss und was man sonst noch zum Wohnen braucht. Jetzt, Anfang Oktober, kann man sich das noch nicht so ganz vorstellen. Die neuen Hausbesitzer Max (43) und Michel Baumeister (40) führen uns durch das historische Gebäude mit der Hausnummer 71. Erbaut wurde es laut Denkmalliste um 1870. Zurzeit wird überall noch fleißig gearbeitet. Die Wände im Treppenhaus sind sichtlich vom Zahn der Zeit gezeichnet. An einigen Stellen kann man Putzschichten aus verschiedenen Epochen erkennen. Zumindest sieht es für unser ungeübtes Auge so aus. Bestimmt zehn Jahre lang sei hier nichts gemacht worden, sagt Max Baumeister bei der Führung. Zuletzt waren nur noch zwei Mieter übrig, die in ihren heruntergekommenen Wohnungen ausharrten.

Jetzt muss erst alles raus, dann wird alles neu. So wie in den beiden Apartments in der zweiten Etage. Hier kann man schon erahnen, was Max und Michel Baumeister von der WFV GmbH (IP NRW) geplant haben. An der Aufteilung der Wohneinheiten wurde dabei nichts verändert. Nur zwei ehemalige Mehllager – so die Vermutung der beiden – werden als zusätzlicher Wohnraum zu Lofts umgebaut.
Zweites Leben
Das denkmalgeschützte Haus ist zentral im Herzen des Luisenviertels gelegen, eigentlich eine perfekte Lage. Trotzdem fand sich lange Zeit kein Interessent für das Objekt. Dementsprechend desaströs war der Zustand, als die beiden Immobilienprofis nach langem Hin- und Her-Rechnen zugeschlagen haben. Für die Brüder war von Anfang an klar: Die Sanierung ist ein finanzielles Wagnis und noch dazu ein langwieriges Unterfangen. „Wir mussten alles bis auf den Rohbau entkernen und neu machen“, erzählt Michel Baumeister. Und alles nach den strengen Vorgaben der KfW für ein denkmalgeschütztes Effizienzhaus. Der Aufwand hat sich gelohnt: Jetzt gibt es Fußbodenheizungen, eine Luftwärmepumpe, Holzfenster nach Denkmalschutzvorgabe, eine effiziente Innendämmung der Außenwände, ein neues Dach und noch mehr. In vielen Etagen mussten die Böden neu ausgerichtet werden, damit die Fußbodenheizung verlegt werden kann. Max Baumeister: „Wir hatten teilweise bis zu 14 Zentimeter Höhenunterschied.“ Man kann durchaus sagen, die Baumeister-Brüder haben dem baufälligen Gebäude in der Luisenstraße ein zweites Leben geschenkt. Das wird letztlich der gesamten Straße zugutekommen.
„Wir mussten alles bis auf den Rohbau entkernen und neu machen.“
Michel Baumeister
Das gesamte Projekt sei aus wirtschaftlicher Sicht nur durchführbar gewesen, wenn die Vermietung auf gewerbliche Mieter beschränkt wird. Das Ziel sind vollausgestattete Personalwohnungen für Unternehmen. „Für lokale Firmen ist das eine große Chance, ihrem Personal eigene möblierte Unternehmenswohnungen anzubieten“, so der Projektentwickler. Für Privatpersonen seien die neuen Räume nach der Kernsanierung schlicht zu teuer. „Wir haben lange überlegt, wie man so ein Projekt überhaupt umsetzen kann“, sagt Michel Baumeister. „Für bestimmte Lebenssituationen ist das hier jetzt das perfekte Zuhause“, sagt sein Bruder. In den deutschen Metropolregionen sei dieses Konzept längst eine gängige Wohnlösung.

Die beiden Brüder sind sich zumindest sicher, dass der Bedarf für gewerblich vermietete und möblierte Apartments in Wuppertal vorhanden ist. Ein netter Nebeneffekt: Die 16 neuen Mieter werden den Einzelhandel und die Gastronomie im Viertel weiter beleben. Dazu tragen auch die beiden neuen Ladenlokale im Erdgeschoss bei, die bereits heute wieder vermietet sind. Hier haben eine Logopädische Praxis und ein Sachverständiger für Kraftfahrzeuge und E-Bikes eine neue Heimat gefunden.
Die WFV GmbH, vor über 40 Jahren vom Vater Hubert Baumeister gegründet, ist eigentlich auf Ferienwohnungen und andere Bauprojekte an Nord- und Ostsee spezialisiert. Das Know-how in Sachen Sanierung und Inneneinrichtung wird auch in den insgesamt 14 Apartments und zwei Lofts in der Luisenstraße zum Einsatz kommen. „Das werden richtig schöne und individuelle Wohnungen. Alle Möbel werden von unserem Schreiner auf Maß gefertigt“, sagt Max Baumeister.

Altes bewahren
Das Sanierungsprojekt in der Luisenstraße ist nicht das erste, das die beiden Brüder gemeinsam umsetzen. Sie haben bereits mehrere Häuser auf Langeoog und in Wuppertal wieder fit gemacht. „Unser Büro in der Aue zählt auch dazu“, sagt Max Baumeister. „Wir haben uns in unserer Heimatstadt vor allem auf denkmalgeschützte Häuser spezialisiert. Aktuell warten wir auf die Baugenehmigung für den Bahnhof Varresbeck an der Nordbahntrasse“, ergänzt Michel Baumeister. Diese Leidenschaft für alte Gebäude kommt nicht von ungefähr. So hat der Vater der beiden in den 80er-Jahren das Gebäude gekauft, in dem das Café du Congo beheimatet ist, und von Grund auf kernsaniert. Die Brüder sind derweil im Umfeld des Luisenviertels und auf dem Ölberg aufgewachsen, haben ihre Jugend hier verbracht und fühlen sich bis heute heimisch.
Bis spätestens im Februar 2027 soll die Luisenstraße 71 und 73 in neuem Glanz erstrahlen. Dazu zählt übrigens auch ein kleiner Innenhof, der Sitzmöglichkeiten und einen sicheren Abstellort sowie Lademöglichkeiten für E-Bikes bieten wird. „Wir gehen davon aus, dass bis Dezember mindestens zwölf der Apartments fertig sind“, versichert uns Michel Baumeister.
Text: Marc Freudenhammer
Fotos: Süleyman Kayaalp





