Comeback mit Farbe

Künstler Achim Saure steht in seinem Atelier in der Untergrünewalder Straße

Ohne Viertel geht es nicht. Zumindest nicht für Achim Saure, der nach nur einem Jahr Abwesenheit nun mit seiner Kunst wieder ins Luisenviertel gezogen ist. Gründe gab es dafür genug.

Es riecht nach frischer Ölfarbe und Terpentin. An der Wand hängt ein noch feuchtes Gemälde. Auf einer massiven alten Werkbank aus Holz liegen benutzte Farbtuben, Pinsel, Gummirakel, Schwämme, Spachtelmasse und diverse andere Utensilien. Es ist das Reich von Achim Saure. Seit Februar 2026 ist er mit seinem Atelier wieder Teil des Luisenviertels. Endlich, wie der Künstler sagt. Von 2022 bis 2025 konnte man seine Arbeiten in der Galerie AC22 in der Friedrich-Ebert-Straße erleben. Nach der Schließung wollte er sich eigentlich mit seiner Kunst in die eigenen vier Wände zurückziehen. Doch das gelang nicht so recht. „Ich wollte unbedingt wieder raus, am liebsten ins Viertel“, sagt Saure. „Man weiß ja immer erst, was man hatte, wenn man es verloren hat.“

Blick aus dem Fenster das Ateliers von Achim Saure

Trotz der Schließung der Galerie seien immer wieder Anfragen von Interessenten gekommen. Das Problem: Wo trifft man sich? Die Kunst braucht einen eigenen Raum, sagt Saure. Und so war er überglücklich, als durch Zufall die neuen Räume in der Untergrünewalder Straße 10 frei wurden. Hier hat er alles, was er braucht, wenn auch auf kleinem Raum. Das reine Glück für den Künstler: „Ich bin noch nie so gerne morgens ‚arbeiten‘ gegangen.“ Das kleine Atelier besteht im Grunde nur aus zwei Räumen. Den hinteren, mit offenem Mauerwerk an einer Wand, nutzt er als Arbeitsraum. Wenn man durch das Fenster zum kleinen Innenhof blickt, könnte man meinen, dass man sich eher im ländlichen Raum befindet. Hier gibt es eine Fassade mit Fachwerk, auf dem Boden rustikales Kopfsteinpflaster, ein schwarz lackiertes gusseisernes Geländer, historische Steinstufen und jede Menge blühende Pflanzen. Ein echtes bergisches Idyll im Hinterhof.

„Die Bilder kommunizieren mit einem und irgendwann kommt dieser gegenseitige Austausch zu einem Ende.“

Achim Saure

Gespräch mit der Kunst
Im hellen Ausstellungsraum, dessen Fenster das Atelier zur Straße hin öffnen, steht nur ein kleines schwarzes Ledersofa. Ansonsten geben hier die Bilder den Ton an. An den Wänden hängen zahlreiche ausgewählte Werke – handverlesen vom Künstler selbst. Die meisten im quadratischen Format. Es sind durchgängig abstrakte Arbeiten, die durch ihren rohen Charme auffallen. Selten kann man konkrete Formen ausmachen. Manchmal sind es nur Nuancen, die dem Bild durch mehrere Schichten hindurch seine Farbigkeit geben. Oft steht die Farbe als solche im Vordergrund, in ihrer Materialität und Ursprünglichkeit. „Gerade bei den hellen Bildern braucht es länger, bis man etwas sieht.“ Dabei haben selbst die hellsten Werke des Künstlers eine Körperlichkeit, bei der das Bild an sich eine starke Präsenz beansprucht. Ursprünglich dafür ist der dicke, flächige Materialauftrag, der den Bildern eine gewisse Schwere verleiht. Saure spachtelt die Farbe als dicke Paste auf die Leinwand, kratzt und schabt in das Motiv, arbeitet so lange an einem Bild, bis er das Gefühl hat, dass der Dialog beendet ist. Denn: „Die Bilder kommunizieren mit einem und irgendwann kommt dieser gegenseitige Austausch zu einem Ende. Man kann das wirklich mit einem Gespräch vergleichen“, sagt Saure.

Werkbank mit Malutensilien von Achim Saure
Achim Saures Werkbank im Atelier.

Die Kunst sei früh in Achim Saures Leben gekommen, erzählt er. Das lag nicht zuletzt am Freundeskreis, der sich aus Designern und anderen Kreativen zusammensetzte. Doch Saures Eltern hatten andere Pläne. Sie drängten ihn zu einer vermeintlich sicheren Ausbildung zum Kfz-Mechaniker. „Ich hätte viel lieber Kunst studiert, aber mein Vater war strikt dagegen.“ In seiner Freizeit malt der junge Achim Saure trotzdem. Meist figurativ und vorzugsweise in Schwarzweiß, er zeichnet seine Freundin und andere Motive. Irgendwann ist damit Schluss. Nach der Geburt seiner Tochter widmet er sich zunächst intensiv dem Tennisspiel. So lange, bis er sich an der Schulter verletzt und diesen Sport aufgeben muss. „Meine Tochter hat mich dann ermutigt, wieder zu malen. Und dann bin ich richtig aufgeblüht darin, habe unheimlich viel Zeit investiert.“ Und so fährt Achim Saure bis heute zweigleisig: ein sicherer Job im Vertrieb auf der einen Seite und die Kunst auf der anderen.

Bergisches Idyll im Innenhof.

Wer die Kunst von Achim Saure im Original auf sich wirken lassen will, darf übrigens jederzeit in seinem offenen Atelier in der Untergrünewalder Straße vorbeischauen. Interessierte Käufer können die Bilder ihrer Wahl auch probeweise in den eigenen vier Wänden aufhängen, bevor sie sich endgültig entscheiden. „Ich helfe gerne bei der Suche nach einem geeigneten Platz. Und in den meisten Fällen findet sich auch einer“, so Saure.

Text: Marc Freudenhammer
Foto: Süleman Kayaalp

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