Begehrte Tiere

Das Team von LIgarti auf der Couch in ihrem Büro im Luisenviertel

Die Produkte des Wuppertaler Unternehmens Ligarti werden weltweit verkauft. Ihr Büro hat das Team um Hanna Ligeti, Sami Taha und Alex Kissing im Luisenviertel. Und das jetzt zum zweiten Mal.

Meerschweinchen, Tauben, Fische, Füchse, Pinguine, Marienkäfer, Bienen, Flamingos. Das Repertoire der Wuppertaler Künstlerin Hanna Ligeti scheint endlos zu sein. Das Besondere: Sie verleiht ihren Tieren Charakter. In zahllosen Motiven erfindet sie immer wieder neue Protagonisten, gibt ihnen menschliche Züge, lässt sie alltägliche Geschichten erleben. Woher kommt diese Passion für Tiere? Sie habe schon immer Haustiere gehabt, sagt Hanna Ligeti, und als Kind auch gerne mal Schnecken gerettet. Ihre Hündin Lotti – eine Mischlingsdame mit kroatischen Wurzeln – ist da keine Ausnahme.

Ligarti Illustrationen im Rahmen
Überall im Büro von Ligarti hängen die Originale von Hanna Ligeti.

Immer nah dran
Mit Fineliner, Öl- und Acrylfarbe oder Aquarell erschafft Ligeti ihren eigenen tierischen Mikrokosmos. Das kommt gut an. Die Produkte aus dem Hause Ligarti – eine Kombination aus dem Nachnamen Ligeti und Art – werden inzwischen in über 700 Läden auf der ganzen Welt angeboten. Viele davon in den Niederlanden und in Frankreich. In Deutschland findet man Ligarti-Produkte vor allem in Hamburg, Frankfurt und anderen Großstädten. Die Wuppertaler Händler sind etwas zurückhaltender. Wuppertal Touristik, der Sparkassen-Concept-Store am Döppersberg und das Berthas sind einige der Verkaufsstellen im Stadtgebiet. „Es gibt einen Laden auf Lanzarote, der fast ausschließlich unsere Produkte anbietet“, sagt Alex Kissing und zeigt uns stolz einige Fotos, die ihm die Ladenbesitzerin geschickt hat. Der 38-Jährige ist einer der drei Inhaber:innen des 2017 gegründeten Unternehmens Ligarti. „Ursprünglich hatten wir uns mal ‚Animal Hoarding’ genannt, aber wenn man online danach sucht, findet man keine schönen Sachen“, erklärt Kissing.

„Manchmal muss ich mir Freiräume schaffen, in denen ich einfach Motive mache, auf die ich Lust habe.“

Hanna Ligeti

Geschätzt über 1.000 Motive hat Hanna Ligeti im Archiv, aktuell sind etwa 120 im Verkauf. Die Menge an Motiven wird nur noch übertroffen von der Anzahl der Artikel, die Ligarti verkauft. Interessenten können aus circa 40 Produktgruppen wählen. Zu den Verkaufsschlagern gehören T-Shirts, Emaille-Tassen, Holzbrettchen und Natursteinfliesen. Immer mehr Menschen suchen ganz bewusst nach Artikeln, die unter fairen Bedingungen produziert werden. Auch hier kann Ligarti punkten. „Wir produzieren so, dass es für uns moralisch vertretbar ist“, sagt Alex Kissing. Das betreffe den gesamten Schöpfungsprozess und werde im Team auch schon mal heiß diskutiert. So verzichtet man bei Ligarti nach Möglichkeit auf Kunststoffverpackungen.

Außerdem suchen die drei immer nach neuen Möglichkeiten, direkt mit den produzierenden Unternehmen zu kooperieren. „Wir sind immer nah dran an der Entwicklung unserer Produkte“, erklärt Sami Taha. „Zum Beispiel lassen wir das Papier für unsere Postkarten nach eigenen Vorgaben herstellen.“ Der 37-Jährige ist der Dritte im Ligarti-Bund. Es gebe auch diverse lokale Kooperationen. So zum Beispiel mit der Wuppertaler Rösterei Talbohne, der GEPA oder dem Sozialunternehmen proviel.

Die Emailletassen von Ligarti zählen zu den Verkaufsschlagern.

Kreative Freiräume
Kennengelernt haben sich die drei während der Studienzeit an der Wuppertaler Uni. Alex und Hanna haben Philosophie studiert, Sami Betriebswirtschaftslehre. Das Büro und die Produktion sind seit der Gründung mehrfach umgezogen und wurden dabei auch umorganisiert. Bis 2023 war Ligarti in einem Hinterhof an der Aue zu finden, dann der Umzug nach Barmen, um mehr Platz für Lager und Produktion zu haben. Im April 2026 bezog das inzwischen zehnköpfige Ligarti-Team das aktuelle Büro im Luisenviertel. „Wir gehören einfach hierhin“, findet Hanna Ligeti, die das Viertelleben von den Dreien am intensivsten mitbekommt.

Bei aller Liebe für das Viertel und Wuppertal betreibt Ligarti inzwischen auch einen eigenen Online-Shop. Der dient nicht nur dazu, die Absatzzahlen zu erhöhen, sondern auch dazu Trends zu erkennen. Alex Kissing: „Wir können über die Bestellungen im Shop direkt sehen, was sich gut verkauft und was nicht.“ Für die Künstlerin ist das Fluch und Segen zugleich. Einerseits bekommt sie den Input, in welche Richtung sie ihre Arbeiten entwickeln sollte, um den Zahlen gerecht zu werden. Andererseits entstehen ihre Motive aus einem inneren Antrieb, der nicht immer deckungsgleich sein muss mit dem Massengeschmack. „Manchmal muss ich mir Freiräume schaffen, in denen ich einfach Motive mache, auf die ich Lust habe“, so Hanna Ligeti. Ihr aktuelles Projekt geht direkt unter die Haut – im wörtlichen Sinne. Seit etwa zwei Jahren versucht sie sich daran, ihre Motive zu tätowieren. Das Ergebnis ihrer Tätowierkunst kann man sich auf ihrem Instagram-Account ligarti_tattoo ansehen.

Bei all den Produkten, die sich ideal als Geschenke eignen, mag man sich die Frage stellen, warum es noch keinen eigenen Ligarti-Shop in Wuppertal gibt. Die Antwort ist einfach: „Aktuell müssen wir unser Wachstum erst einmal ordentlich organisieren, bevor wir wieder etwas Neues anfangen“, erklärt Sami Taha. Wenn es dann doch einmal so weit ist, komme aber nur eine Location infrage: das Luisenviertel.

Von Marc Freudenhammer
Fotos: Süleyman Kayaalp

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