Ich kann auch Chaos

Robin Brinkmann in seiner Wohnung im Luisenviertel

Robin Brinkmann ist Interior-Influencer auf Instagram. Seine Follower lieben den cleanen Japandi-Style, den der 36-Jährige in seiner Dachgeschosswohnung ausgiebig zelebriert. 

Einhundert Kilogramm. So schwer ist die neueste Anschaffung von Robin Brinkmann. Es handelt sich um einen Couchtisch in Form eines massiven Marmorblocks. In Wirklichkeit sei der Tisch aber innen hohl, so Brinkmann. Vier starke Männer seien nötig gewesen, um das klobige Schmuckstück in die Dachgeschosswohnung des 36-Jährigen zu transportieren. Erbeutet hat er ihn über die Onlineplattform Kleinanzeigen, die er gerne nach solchen Vintage-Schätzen durchforstet. „So einen Marmortisch wollte ich schon immer haben“, sagt Robin Brinkmann, dessen gesamte Wohnung im Japandi-Stil eingerichtet ist. Das ist eine harmonische Mischung aus asiatischem und nordischem Design. Also eine Kombination von Elementen des skandinavischen Wohnstils (Skandi) mit der minimalistischen Ästhetik Japans. Wenn man Robins 75-Quadratmeter-Wohnung betritt, fällt als erstes auf, dass sie unfassbar ordentlich ist. Alles hat seinen Platz und alles fügt sich harmonisch ins Gesamtkonzept ein. Das roséfarbene Macbook auf dem Beistellhocker, diverse Coffeetable-Bücher, die geschickt in den Regalen platziert sind, der akkurat eingeräumte Vitrinenschrank, die perfekt platzierte Vase auf der Fensterbank. Das alles ist kein Zufall, sondern ganz bewusst so gestaltet. Überflüssige oder deplatziert wirkende Deko gibt es nicht. Und auch alltägliche Gegenstände wie Schlüssel, benutzte Tassen oder unschöne Fernbedienungen sucht man vergeblich. Jede Fläche, jede Ecke ist wohl durchdacht. Wie geht das?

Kommen und gehen

„Ich kann einfach sehr gut loslassen und auch mal Dinge wegschmeißen“, sagt Robin Brinkmann. Das sieht man. Während sich bei anderen Menschen Schränke und Regale über die Jahre mit unnützem Ballast füllen, wird bei ihm regelmäßig radikal aussortiert. Wenn etwas Neues angeschafft wird, muss etwas Altes gehen. Aber das ist längst nicht alles. Die gesamte Wohnung folgt einem klaren Farbkonzept aus warmen beigen und hellbraunen Farbnuancen. Einzig die olivgrüne Couch und ein frischer Fliederstrauß, der in einer von ihm auf Vintage getrimmten Vase auf dem Esstisch steht, setzen Farbakzente. „Die Ordnung gibt mir einfach ein gutes Gefühl und auch Sicherheit“, so Robin Brinkmann. Diesen hohen ästhetischen Anspruch habe er übrigens nur bei sich selbst. „Bei anderen stört es mich nicht, wenn es etwas unordentlich ist. Das kann ja sogar ganz gemütlich sein.“ Auch die eigene Wohnung sehe natürlich nicht immer so aus wie jetzt. „Ich kann auch Chaos“, sagt Brinkmann und lacht.

„Ordnung beruhigt und gibt Sicherheit.“

Robin Brinkmann

Upcycling

Sein Händchen für harmonische Einrichtung kommt auch bei seinen Followern auf Instagram gut an. Fast 5.000 sind es inzwischen. „Am Anfang war es eher Lifestyle-Content, also Reisen und viel Personality. Irgendwann wurde es mir aber zu viel, jeden Tag produzieren zu müssen. Es kann auf Dauer sehr stressig sein, sich täglich vor die Kamera zu setzen.“ Ein Jahr lang hat er seinen Account dann ruhen lassen, um sich neu zu orientieren. Danach kam der erfolgreiche Neustart als reiner Interior-Influencer. Sein Motiv: die eigene Wohnung. Zu sehen gibt es Detailaufnahmen, kurze Videos, in denen er neue Möbelstücke in Szene setzt, die er selbst aufgearbeitet hat. Das sogenannte Upcycling, also die Wiederbelebung alter Einrichtungsgegenstände, sei eine große Leidenschaft von ihm. „Ich liebe es einfach, kreativ zu sein“, so Robin Brinkmann. 

Land und Leute 

Seit einigen Jahren produziert er auch für andere Content. Als freiberuflicher Social 
Media Manager unterstützt er kleine und große Unternehmen dabei, ihre Instagram-Kanäle strategisch zu bespielen. Angefangen habe das mit einer Kooperation mit dem Einrichtungs-Anbieter Westwing. „Ich biete zum Beispiel Coachings an, produziere Videos oder betreue gleich den Kanal im Auftrag meiner Kunden.“ 

Seit 2004 ist er in Wuppertal, die letzten 8 Jahre davon im Luisenviertel. Ursprünglich stammt er aber aus dem Sauerland. „Meine Mutter hat mich mit dem Pony vom Kindergarten abgeholt“, erinnert er sich. Eine behütete Kindheit auf dem Land. Heute freut sich Robin Brinkmann über die bunt gemischte Hausgemeinschaft, die sich bei schönem Wetter gerne im gemeinsamen Innenhof zusammenfindet. Und er genießt das belebte Luisenviertel, auch wenn ihn die zunehmende Anzahl an Partygästen dann und wann überfordert. Das hält den jungen Mann aber nicht davon ab, auch dieses Jahr wieder seinen eigenen Stand auf dem Luisenfest aufzustellen.

Beim Verlassen der Wohnung fällt uns dann doch noch eine Sache auf, die so gar nicht ins Bild passt. Es ist ein unschöner Wlan-Router mit weiß-rotem Gehäuse, der an einem Kabel hängt, das aus der Wand kommt. „Da muss ich mir unbedingt was überlegen“, sagt Robin sofort. Wir sind sicher, dass ihm etwas einfällt, das ins Gesamtkonzept passt.

Text: Marc Freudenhammer
Foto: Süleyman Kayaalp

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