Abschied von Olli

Porträfoto schwarzweiß von dem verstorbenen Obdachlosen Olli H.

Ende 2025 verstarb Oliver H. Viele schätzten seine sympathische Art – keine Selbstverständlichkeit für einen Menschen ohne eigenes Zuhause.

Anfang des Jahres nahmen die Menschen im Luisenviertel Abschied von einem, für den das Viertel nicht nur im übertragenden Sinne eine Heimat war. Die Anwesenden, die sich am Sonntag, den 25. Januar, in der Basilika Sankt Laurentius eingefunden hatten, trauerten gemeinsam um den Obdachlosen Oliver H., den die meisten nur als Olli kannten. Er starb einen Tag vor Heiligabend im Krankenhaus. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt. Er ist nur knapp fünfzig Jahre alt geworden.

Olli war fester Bestandteil der Viertel-Gemeinschaft und überall gern gesehen. Der Kontakt mit ihm wird von ausnahmslos allen Menschen, die ihm täglich begegneten, als angenehm beschrieben. Weitergehende Hilfsangebote lehnte Olli jedoch meist dankend ab, ohne dafür einen konkreten Grund zu nennen. „Mir geht es gut“, habe er dann oft gesagt, erinnert sich Pfarrer Johannes Nattland von der Sophienkirche. Und: „Olli war den Menschen immer sehr zugewandt.“ Auch die Ehrenamtlichen des Vereins Lichtschmiede, die ihn regelmäßig trafen, berichten davon, dass Olli nur das Nötigste an Hilfe annahm. Darüber hinaus war er aber immer dankbar und glücklich über kleine Spenden und Aufmerksamkeiten, die ihm bei seinen täglichen Visiten im Viertel geschenkt wurden. 

„Olli war den Menschen immer sehr zugewandt.“

Pfarrer Johannes Nattland

Susanne Hoffmann, die das abgebildete Porträt von Olli geschossen hat, erinnert sich: „Das Foto ist an einem Nach­mittag im März 2023 auf dem Laurentiusplatz entstanden.“ Wie so oft waren die beiden ins Gespräch gekommen. Auf die Idee, ein Foto zu machen, „reagierte er ganz offen“, wie Hoffmann sagt. Olli sei es aber durchaus wichtig gewesen, wie er auf dem Bild wirkt. So habe er sich vor der Aufnahme noch schnell die Haare gestylt.

Nicht mehr da

Auch Frank Vogts, erster Vorsitzender der IG Friedrich-Ebert-Straße, kannte Olli. Fast täglich begegneten sie sich: „Ich habe ihn immer respektvoll, freundlich und dankbar erlebt. Die Nachricht über seinen Tod hat mich mehr als nur einen Moment innehalten lassen. Manchmal gehe ich durchs Viertel und in der Ferne sehe ich ihn vermeintlich laufen, in seiner ganz besonderen Art. Doch dann wird mir klar, er ist nicht mehr da.“ 

Die Aussagen der Menschen, die ihm regelmäßig begegneten, sprechen eine klare Sprache: Olli war ein freundlicher Mensch mit dem Herz am rechten Fleck und sein Tod ist ein Verlust für die Gemeinschaft im Luisenviertel.

Text: Marc Freudenhammer
Foto: Susanne Hoffmann

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