Die Tanzschule Schäfer-Koch ist eines der ältesten Unternehmen im Viertel. Seit über 90 Jahren lernen hier Jung und Alt, das Tanzbein zu schwingen. Seit rund drei Jahren tun sie das unter der Führung von Nadine Reetz.
Von außen ist es ein eher unscheinbares Gebäude in der Laurentiusstraße. Etwas abseits gelegen vom Trubel des belebten Laurentiusplatzes findet man hier einen Ort, der schon Generationen in die Geheimnisse des Tanzens eingeweiht hat. Das Haus wurde einst von Hans-Helmut Koch gebaut und beherbergt nun seit über neunzig Jahren die ADTV Tanzschule Schäfer-Koch. Übrigens: Koch gründete 1947 auch zusammen mit seiner Frau Ursel-Margit sowie einigen Gleichgesinnten den bundesweit bekannten Verein „Grün-Gold Casino e. V. Wuppertal“. Im Innern kann man noch heute dem Geist dieser Zeit nachspüren.

Theorie und Praxis
Der große Tanzsaal in der ersten Etage beeindruckt zunächst allein durch seine schiere Größe. Auf etwa 170 Quadratmetern finden Tanzfreunde hier ausreichend Platz, um sich schwungvoll zur Musik zu bewegen. Diesw wird über ein DJ-Pult gesteuert, das sich im hinteren Teil in das Szenario aus glänzendem Parkett und umlaufenden Sitzgelegenheiten einbettet. Von hier aus wird auch die Lichtanlage gesteuert, die je nach Tanzstil den Saal und die Anwesenden in stimmungsvolles Licht taucht. Zum Beispiel, wenn Inhaberin Nadine Reetz am Wochenende zu den beliebten Tanzpartys einlädt. Die 31-Jährige hat die alteingesessene Tanzschule 2023 übernommen und leitet seitdem nicht nur diverse Kurse, sondern das gesamte Traditionsunternehmen. Gelernt hat sie ihr „Handwerk“ noch bei der Vorbesitzerin Conni Schäfer-Birkenbach, deren Vater einst die Tanzschule in Elberfeld und auch die Dependance in Barmen übernommen hat. Heute unterrichtet sie alles von Kindertanzen über Dance4Fans, Hip-Hop und Zumba bis zum klassischen Gesellschaftstanz.
Auch die nächste Generation der Tanzschule Schäfer-Koch ist bei unserem Besuch anwesend. „Joanna kommt jetzt in das zweite Ausbildungsjahr zur ADTV-Tanzlehrerin“, sagt Nadine Reetz. Dabei handele es sich zwar nicht um eine staatlich anerkannte Ausbildung, aber ansonsten laufe alles so ab wie bei einer regulären dreijährigen Ausbildung – inklusive Berufsschule, in der die Schülerinnen und Schüler unter anderem die theoretischen Grundlagen lernen. Wie man dann richtig unterrichtet, das lehrt Nadine Reetz in den Räumen der Tanzschule. Wer möchte, kann sich die Tanzlehrerausbildung nach dem Abschluss zusätzlich über die IHK anerkennen lassen.
Wer führt beim Tanzen?
Auch für die ganz jungen Tanzfreunde bietet Nadine Reetz Kurse an. Das gehe bereits im zarten Alter von eineinhalb Jahren los. „Die Kurse für Drei- bis Achtjährige sind immer gut gefüllt“, sagt Reetz. Danach stehe für die Kinder der Wechsel auf die weiterführende Schule an – und meist auch das erste Smartphone. Die Tanzschule wird dann gerne mal hintangestellt. Aber nicht für immer. „Ab Anfang zwanzig interessieren sich dann wieder viele fürs Tanzen“, so Reetz. „Zum Beispiel, wenn sie ein Hobby suchen, das man gemeinsam mit der Partnerin oder dem Partner ausüben kann.“ Ganz wichtig ist der Tanzlehrerin hierbei die Betonung auf „gemeinsam“, denn bei vielen Freizeitaktivitäten wie Tennis oder anderen Sportarten spiele man am Ende doch eher gegeneinander. Beim Tanzen ist das anders. Hier kommt es auf das harmonische Miteinander aus Führen und Folgen an. Wer auf dem Parkett führt und wer folgt, ist dabei heute nicht mehr so klar wie früher. „Mittlerweile haben wir auch viele gleichgeschlechtliche Paare. Häufig entscheidet dann die Körpergröße, wer die Führung übernimmt.“

Beim Line Dance oder Zumba stellt sich diese Frage nicht. In den auf Solotanz und Fitness orientierten Kursen können die Teilnehmenden sich allein auf der Tanzfläche verausgaben. Relativ neu im Programm der Tanzschule Schäfer-Koch ist der sogenannte West Coast Swing. Ein Tanzstil, der paarweise getanzt wird – aber der Idee des „Social Dance“ folgend mit immer wieder wechselnden Partnern. Anstatt um die Partnersuche gehe es hierbei allerdings eher um Gemeinschaft und die gemeinsame Freude am Tanzen, so Nadine Reetz.
„Jeder Tanz hat seine ganz eigene Charakteristik.“
Nadine Reetz
Die vor rund zweieinhalb Jahren gestarteten West-Coast-Swing-Kurse werden in der Regel von Erwachsenen ab zwanzig Jahren besucht, wie Reetz erklärt. „Es ist ein Tanz aus den USA, der zwar aus dem Swing entstanden, aber heute musikalisch offen ist.“ In Deutschland sei er derzeit noch nicht so bekannt, das bestätigt auch die Auszubildende Joanna, die erst kürzlich eine Fortbildung dazu absolviert hat: „Es gibt neben den Grundfiguren viel Raum für Improvisation und kaum Grenzen. Das ist vergleichbar mit einer tänzerischen Unterhaltung, bei der man auf das Gegenüber eingeht.“ Auch in den regelmäßigen Tanzkreisen, die erfahrene Tänzer und Tänzerinnen nach dem Durchlaufen aller Kursangebote besuchen können, gibt es die Möglichkeit, Neues zu Lernen und Kontakte zu knüpfen. Hier dann allerdings eher mit anderen Paaren.
Neben den Grundschritten lernt man in der Tanzschule natürlich auch die Feinheiten, wie zum Beispiel spezifische Figuren, die Abwechslung in das Geschehen bringen. Je komplexer diese werden, desto technischer und vor allem länger werden auch die Beschreibungen. Ein Problem im schnellen Ablauf. Aus diesem Grund denken sich Tanzlehrer gerne Fantasienamen aus, die zeitsparend eingeworfen werden können. „Im Discofox haben wir zum Beispiel eine Figur entwickelt, die in unseren Kursen ‚Fenster‘ genannt wird, weil man sich im Tanz gegenseitig wie durch ein Fenster anschaut.“

Tanz und Technik
Was sind die größten Hürden, wenn man mit dem Tanzen anfangen will? Nadine Reetz: „Zuallererst muss man sich anmelden und dann noch regelmäßig in die Tanzschule kommen.“ Danach gehe es mit leichten Bewegungsübungen weiter, die sich nach und nach in Richtung Tanz entwickeln. Frische Tanzanfänger tun sich erfahrungsgemäß am Anfang schwer mit den festen Schrittfolgen und der kontrollierten Koordination der Körperteile. Auch die Bewegung im Raum will geübt sein, der ist schließlich begrenzt, sagt Reetz. Hinzu kommt: „Jeder Tanz hat seine ganz eigene Charakteristik. Der eine ist besonders schwungvoll, andere sind eher weich, manche spritzig“, so die Tanzlehrerin. Und dann will man beim Tanzen ja auch noch eine gute Figur machen. Eiserne Grundregel für alle Tänze: Der Kopf sollte immer oben sein. Für Anfänger sei das gar nicht so leicht, wie es klingt. „Denn dafür müssen die Füße erst mal wissen, was man tut.“ Wie so oft im Leben gilt halt auch beim Tanz: Übung macht den Meister.
Text: Marc Freudenhammer
Fotos: Süleyman Kayaalp





