Die beste Zeit ist jetzt

Lokalzeit Moderatorin Luisa Skrabic

Seit Anfang 2026 steht Luisa Škrabić als WDR-Lokalzeit-Moderatorin vor der Kamera. Ein absoluter Traumjob für die gebürtige Solingerin. Der Weg dahin war nicht einfach. Rückblick auf ihren medialen Werdegang.

Luisa Škrabić liegt auf dem Boden des Studios und krümmt sich. Aber nicht vor Schmerzen oder aus Verzweiflung, sondern weil sie sich vor Lachen nicht mehr einkriegt. Vor wenigen Sekunden hat sie dem Publikum der WDR-Lokalzeit Bergisches Land einen schönen „Eierabend“ gewünscht. Nicht gerade das, was man sich als Moderatorin einer Livesendung für den Abschluss vornimmt. Aber anstatt sich über den Versprecher zu ärgern, nimmt es Luisa Škrabić sichtlich mit Humor. Ihre Instagram-Follower – aktuell sind es über 5.000 – feiern sie für das Kurzvideo. Rund eine Million Aufrufe habe der Beitrag erhalten. Absoluter Spitzenreiter im privaten Kanal der 33-Jährigen. „Fails gehen irgendwie immer“, sagt sie. Dabei geht es ihr eigentlich gar nicht um die Klicks.

„Ich hatte es echt geschafft. Da habe ich mir gedacht, alles, was jetzt noch kommt, ist einfach Bonus.“

Luisa Škrabić

„Ich will mit meinem Account das Menschliche zeigen. Ein Blick hinter die Kulissen der teilweise perfekt durchgeplanten Fernsehwelt“, so Luisa Škrabić. Und davon kann sie ein Lied singen. Genau genommen hat sie sogar schon mehrere Lieder gesungen, allerdings nicht über ihre Arbeit vor der Kamera. Unter dem Pseudonym Sonnenberg hat sie in den letzten Jahren quasi nebenbei mehrere deutschsprachige Popsongs und auch Musikvideos in Eigenregie produziert. Seit Ende 2025 liegt die Gesangskarriere aber auf Eis. Es sei einfach zu viel geworden, erzählt Škrabić. Und wenn man sich anhört, was die junge Frau bisher sonst noch alles so gemacht hat, dann glaubt man ihr das aufs Wort.

Großen Respekt
Angefangen hat alles mit einem Lehramtsstudium, um einen vermeintlich sicheren Berufsabschluss in der Tasche zu haben. So weit kam es aber nicht. „Kurz vor dem Referendariat habe ich die Reißleine gezogen und mich selbstständig gemacht“, sagt sie. „Ich habe größten Respekt vor jedem Lehrer und jeder Lehrerin. Für mich war das nichts.“ Der große Traum, den sie seit ihrer Kindheit verfolgt, spielt sich nämlich nicht vor einer Schulklasse ab, sondern vor einem größeren Publikum. Vorzugsweise eines, das ihre Heimatverbundenheit teilt. Und mit Heimat ist im weiteren Sinne das Bergische Land gemeint. „Dieses Regionale ist die Basis für alles, das betrifft uns ganz unmittelbar. Das fasziniert mich“, sagt Škrabić.

Sie selbst stammt aus Solingen, genauer gesagt aus Ohligs, wie sie ergänzt. Fast ihr ganzes Leben lang ist sie in der Medienbranche unterwegs. In ihrer Jugend hat sie acht Jahre lang ehrenamtlich Radio gemacht und aus dem Solinger Jugendstadtrat berichtet. „Ich habe die Nächte im Studio verbracht, um die Sendung zu perfektionieren, und bin allen auf die Nerven gegangen mit meinen ständigen Umfragen fürs Radio“, erinnert sich Škrabić. Anschließend dann diverse Praktika bei verschiedenen Sendern, nebenbei Sportmoderation, unter anderem für die zweite Bundesliga im Volleyball, für die Damen-Handball-Mannschaft von Bayer Leverkusen, für Tennisturniere und andere Events. Das sei eine schöne Zeit gewesen. „Wenn man mitbekommt, wie das ganze Stadion mitgeht, das ist schon ein besonderes Gefühl.“ 15 Jahre lang hat sie drei, vier Jobs gleichzeitig gemacht. Mit Anfang dreißig habe sich die ganze Anstrengung dann deutlich bemerkbar gemacht. Zeit für etwas Neues.

Der Bonus
Nach zahlreichen Absagen hatte sie das Glück, eine der begehrten Volontariats-Stellen zu ergattern. Sie landete bei Radio RSG – ein echter Volltreffer für Luisa Škrabić. Eineinhalb Ausbildungsjahre später wurde sie Moderatorin der Morningshow. „Das war mein absoluter Traumjob. Ich hatte es echt geschafft. Da habe ich mir gedacht, alles, was jetzt noch kommt, ist einfach Bonus.“ Und der Bonus kam dann Anfang 2024 mit dem Wechsel ins WDR-Landesstudio im Luisenviertel. Erst als Autorin, dann als Reporterin und seit diesem Jahr steht sie regelmäßig als Moderatorin der Lokalzeit vor der Kamera. Der abendliche Liveauftritt im Studio sei aber nur ein Bruchteil dessen, was man den ganzen Tag mit dem Team erarbeitet hat.

Bis kurz vor dem Start der Sendung gebe es häufig noch Änderungen. „Man weiß morgens nie, was einen erwartet. Die Abläufe im Sender sind zwar immer gleich, aber bis zur Sendung kann sich vieles ändern“, so Luisa Škrabić. Idealerweise kann sie die Beiträge vorab sehen und die eigene Anmoderation entsprechend anpassen. Das Ziel: eine flüssige Dramaturgie, die nicht wirkt wie einzelne Beiträge, die nur aneinandergereiht sind. Dafür komme es auf das ganze Team an. „Und am Ende wird es irgendwie doch immer knapp, egal wie entspannt der Tag war“, sagt Škrabić und lacht. Es komme auch schon mal vor, dass Beiträge erst in der laufenden Sendung fertig werden. Dann muss die Moderatorin auf den Input des Redakteurs oder der Redakteurin vertrauen und ihre Ansage live improvisieren. „Live ist live“, sagt sie.

Blick hinter die Kulissen
Das Einzige, was sie aus ihrer Zeit beim Radio vermisst, sei der direkte Kontakt zum Publikum. Im Fernsehen, so Škrabić, werde prinzipiell mehr gesendet als empfangen. Beim Moderieren spreche man schließlich alleine in eine dunkle Kamera. Deshalb liebe sie es, als Livereporterin im Sendegebiet unterwegs zu sein. „Das ist für mich die perfekte Ergänzung zu dem Job im Studio.“ Zusätzliches Feedback holt sie sich über ihren Social-Media-Account: „Die Leute sind unheimlich interessiert und freuen sich über den Blick hinter die Kulissen.“ Was in ihren Reels so leicht daher kommt, ist in Wahrheit natürlich wieder zusätzliche Arbeit. Rund zwei bis drei Stunden brauche es, bis ein Reel fertig ist. Aber das sei es wert, sagt sie.

„Das ist etwas Authentisches und Menschliches. Und so sehe ich mich auch.“ Den im Rahmen ihrer Musikkarriere angelegten Instagram-Account mit rund 18.500 Followern hat Škrabić mittlerweile auf Eis gelegt. Ob sie ihn irgendwann doch wieder aktiviert, ist nicht sicher. „Ich genieße das gerade total, mal keine großen Pläne zu haben.“ Man darf gespannt sein, wie lange die umtriebige Solingerin diese Ruhe wirklich durchhält.

Text: Marc Freudenhammer
Fotos: Süleyman Kayaalp

Neueste Beiträge: