Unsere Backlist zum Thema „Hoffnung und Zukunft“. Hier sind drei Bücher, die den Silberstreif am Horizont eindrucksvoll in Szene setzen.
Albert Camus schrieb einmal: „Mitten im Winter begriff ich endlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer war.“ Es waren die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, Paris war zerrüttet, politische Unruhen, wohin man blickte, und der eigene Körper, der in seinen noch so jungen Jahren schon zu versagen drohte. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, hat er in dieser Zeit etwas begriffen: Die Hoffnung in uns kann uns weit tragen.
Heute gibt es nicht weniger Menschen, die in ihrem eigenen, ganz persönlichen Winter stecken. Und auch wenn es uns selbst nicht betreffen mag, so können wir uns doch bemühen, unseren Mitmenschen zu helfen, ihren inneren Sommer zu finden, die Hoffnung nicht zu verlieren und gemeinsam an eine bessere Zukunft zu glauben.
In den folgenden drei Romanen haben alle Protagonist*innen etwas verloren. Sei es eine geliebte Person, das eigene Ziel oder das Vertrauen in die Menschheit. Eine Sache gibt es jedoch, die sie alle verbindet: Hoffnung. Der Silberstreif am Horizont. Das Bewusstsein, dass am Ende alles gut wird, wenn man nur nicht aufgibt. Drei Geschichten, drei Schicksale. Und noch unzählige mehr, wenn wir uns nur umschauen und zuhören.
Beeren pflücken
Joe jedenfalls wird nicht aufgeben. Seit seine Schwester Ruth mit vier Jahren plötzlich verschwand, ist er sich sicher, sie irgendwann wiederzusehen. Während seine Familie sich noch weigert, die aussichtslose Suche abzubrechen, steht für die Polizei bereits fest, dass das Mädchen längst verloren ist. Keine Hilfe von außerhalb und die Zeit im Nacken, ist Joe bald der Einzige, der die Hoffnung nicht aufgegeben hat. Zur gleichen Zeit in einer anderen Stadt wächst Norma als Einzelkind in einer klassisch weißen Familie auf. Doch zugehörig fühlt sie sich nicht. Zu viele Details passen nicht. Amanda Peters thematisiert in ihrem Roman Beeren pflücken das Schicksal einer indigenen Familie am Rande der amerikanischen Gesellschaft der sechziger Jahre und nimmt uns mit auf eine jahrelange Suche. Für mich ein wundervoller und zugleich bildender Roman, der uns ermahnt, die Hoffnung immer zu bewahren.

Beeren pflücken
Amanda Peters
978-3-365-00944-4
Harper Collins
2025
Der Gott des Waldes
In Liz Moores Roman Der Gott des Waldes treffen wir die Familie Van Laar. Sie sind privilegiert, reich, weiß. Und sie haben vor vielen Jahren ihren erstgeborenen Sohn Bear an den Wald verloren. Bis heute weiß niemand, was damals tatsächlich passiert ist oder ob er noch lebt. Vierzehn Jahre später wiederholt sich das Geschehen: Bears Schwester wird von derselben Wildnis verschluckt wie einst ihr Bruder und der Schrecken beginnt von neuem. Und obwohl es einige Menschen im Umfeld der Van Laars gibt, die nicht aufhören wollen zu hoffen und die Suche weiterhin nicht aufgeben, scheint die Familie selbst die Hoffnung zu haben, dass die Wahrheit nie ans Licht kommt. Gleich mehrere Charaktere nehmen uns mit in den Wald, zeigen uns aus verschiedenen Perspektiven, was geschehen ist, und lassen den Lesenden selbst Stück für Stück der Wahrheit einen Schritt näherkommen. Es hat unendlich viel Spaß gemacht, mitzuraten und den Kreis der Verdächtigen immer enger zu ziehen. Als Leserin, die immer versucht den Plot in den ersten Kapiteln zu lüften, war es diesmal gar keine so leichte Sache.

Der Gott des Waldes
Liz Moore
978-3-406-82977-2
C. H. Beck
2025
Von hier bis zum Anfang
Chris Whitakers Roman Von hier bis zum Anfang verbinde ich am ehesten mit der Redewendung „ein Silberstreif am Horizont“. Auf einen Schicksalsschlag folgt der nächste. Und generell passiert auf den knapp 450 Seiten nicht viel Positives, doch für mich macht genau dieser Aspekt die Großartigkeit des Romans aus. Vincent King, der Mann, der vor dreißig Jahren für den Mord an Stars Schwester Sissy verurteilt wurde, ist auf dem Weg zurück in die Stadt. Kurz darauf ist auch Star tot. Was bleibt, sind ihre Kinder: die dreizehnjährige Duchesse und ihr fünfjähriger Bruder. Und hier beginnt das eigentliche Abenteuer. Denn Duchesse ist eine waschechte Outlaw, natürlich wird sie den Mörder ihrer Mutter fassen und zur Rechenschaft ziehen! Für Gerechtigkeit, Freiheit und eine bessere Zukunft für sie und ihren Bruder – vor allem für ihn. Die Hoffnung, die sie antreibt, ist beim Lesen förmlich zu spüren. Man kann sich kaum vorstellen, wie man selbst in so einer Situation handeln oder wohin man gehen würde. Wann hätte ich die Hoffnung verloren?

Von hier bis zum Anfang
Chris Whitaker
978-3-492-31916-4
Piper
2023
Text: Kira Zens





