Female Rage

Unsere Backlist zum Thema weibliche Wut – und Mut. Hier sind drei Geschichten aus der Kategorie „Female Rage“.

Seit über 200 Jahren kämpfen wir Frauen für unsere Rechte, fordern, in dieser Gesellschaft als gleichwertig angesehen zu werden. Aber wir sind immer noch nicht dort angelangt, wo wir sein wollen. Es scheint vielmehr, als würde die Gesellschaft erneut einen Schritt zurück machen. Vielleicht lässt sich gerade deshalb die weibliche Wut zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ignorieren. Der Aufschrei wird mit jedem Femizid, jedem Angriff, jedem Namen lauter. Weinstein, Boateng, Pelicot, Epstein, Ulmen. Ich bin wütend. Wir sind wütend! Auf das System, die Gesellschaft und die Männer, die schulterzuckend und lächelnd wegschauen, während sie stolz verkünden: „Not all men.“ Und doch kann jede Frau unzählige Situationen aufzählen, in denen sie aufgrund ihres Geschlechts angegangen, sexualisiert, niedergemacht und gegaslightet wird. Aber natürlich würden er oder seine Freunde so was nie machen.

Das leise Platzen unserer 
Träume

Auch Jule war der Annahme, dass ihr Mann und sie im Grunde ein zufriedenes Leben führen, dass das, was sie zusammen erreicht und erlebt haben, genug sei, dass sie genug sei. Sie war es nicht. Mit „Das leise Platzen unserer Träume“ hat Eva Lohmann ein unfassbar kluges und nahbares Buch geschrieben, das den Lesenden zum Reflektieren der eigenen Beziehungen einlädt und Mut für Neuanfänge schafft. Wann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem das eigene Unglück die gemeinsame Liebe überstrahlt? Mit jedem Kapitel kommen wir der Antwort auf die Frage immer näher und erhalten sowohl Einblicke in die Gedankenwelt der Betrogenen als auch der heimlichen Affäre. Und während Jule erst einmal die Puzzleteile zusammenfügen muss, die sie nun so lange ignoriert hat, ist sich Hellen der betrogenen Ehefrau mehr als bewusst. Wie kann es sein, dass sie nichts von ihr weiß?

Das leise Platzen unserer Träume
Eva Lohmann
978-3-96161-202-4
Eisele
2024

Meine dunkle Vanessa

Und wie kann es sein, dass Vanessa siebzehn Jahre nach den Ereignissen von damals noch immer nicht verstanden hat, dass es keine Liebe war, die ihren Lehrer und sie zusammengeführt hat? Seit ihrer Kindheit wird sie übersehen, nicht ernst genommen und soll die Erwartungen anderer erfüllen – das Schicksal von so vielen von uns. Sollte man sich dann überhaupt wundern, wenn sich ein älterer Mann ihr Vertrauen und damit verbunden ihren Körper erschleicht? Kate Elizabeth Russel hat unserer Generation mit „Meine dunkle Vanessa“ ein modernes „Lolita“ geschenkt, eine Ermahnung daran, die Dunkelzone zwischen Liebe und Missbrauch zu beleuchten. Mich hat selten ein Roman gedanklich so lange begleitet und nachhaltig beeinflusst. Es blieb mir nichts anderes übrig, als an die eigene Schulzeit zurückzudenken, an die Gerüchte und wahren Geschichten über Lehrer und Schülerinnen und all das mit dem neu erlangten Wissen und den Einblicken aus Russels Roman in Einklang zu bringen.

Meine dunkle Vanessa
Kate Elizabeth Russel 
978-3-328-10898-6
Penguin
2022

Das Beste sind die Augen

Und da wir grade über die männliche Faszination für junge Mädchen sprechen, sollten wir uns ebenfalls die Zeit nehmen und kurz einen Blick auf den kulturellen Fetisch einiger Männer werfen. Nehmen wir die Protagonistin in Monika Kims Buch „Das Beste sind die Augen“. Sie hat genug vom neuen (weißen) Freund ihrer Mutter, dem zunehmend verstörenden Verhalten ihres Kommilitonen, aber vor allem hat sie genug von den lüsternen Blicken der patriarchalen Gesellschaftsstrukturen und verspeist diese – im wahrsten Sinne des Wortes – einen nach dem anderen. Der Roman fokussiert sich gekonnt auf den Aspekt der Fetischisierung fremder Kulturen und nimmt uns mit in eine Welt zwischen Wahn und Wachen. Die teilweise explizit beschriebenen Szenen und die bildhafte Sprache der Autorin kann bei einigen Lesenden zu Ekel führen. Ich habe jedoch jede Seite genossen.

Egal, wo wir hinschauen, in welcher Altersgruppe oder welchen kulturellen Kreisen wir uns bewegen, überall gibt es sie. Männer, denen Frau nicht begegnen will. Nicht auf offener Straße, im Klassenzimmer, Zuhause und erst recht nicht im Bundestag. Wie können wir diese also erkennen? Man stelle sich das Spiel Kroko Doc vor. Wir wissen, ein paar der Zähne werden das Maul zum Zuschnappen bringen, doch nicht welche. Also steigt unser Puls, wir sind aufgeregt, angespannt und haben Angst. Welcher der Männer in meinem Umfeld ist der nächste faule Zahn?

Das Beste sind die Augen
Monika Kim
978-3-462-00998-9
Kiwi Space
2025

Text: Kira Zens

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